18 Mrz

Die langweilige, hängerträchtige endlos lange Steinpackung

Ein Blogbeitrag von Eric Wooßmann
Gezielt auf (große) Barsche im Kanal (Mittelland/Elbehavelkanal)

Autor Eric mit prachtvollem Kanalbarsch

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Die meisten Angler fischen an den bekannten „Hot Spots“ im Kanal: An Spundwänden, Brücken und Schleusenbereichen. Doch an den eigentlichen Hotspots fischt so gut wie keiner: die „langweilige, hängerträchtige und endlos lange Steinpackung. Ich kenne das Gefühl gar nicht, dass man zu seinem Spot fährt und die Stelle besetzt ist, denn erstens sehe ich fast keinen Angler an den Packungen fischen und selbst wenn doch, gehe ich einfach hundert Meter weiter. Ich kann mich nicht entsinnen, dass ich im Kanal schon mal einen anderen Angler getroffen habe, der mitten im nichts an der Steinpackung gefischt hat. Während nämlich die bekannten Stellen wie Brücken und Spundwände immer überlaufen oder von Köfianglern breitflächig abgespannt sind, hat man die Steinpackung meistens für sich.
Das war der eigentliche Grund, warum ich mir die Packung mal zur Brust genommen habe.

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Vermeindliche Hot Spots sind überlaufen – doch ebenfalls monotone Steinpackungen halten immer Überraschungen bereit.

Aller Anfang ist schwer, also zog ich wie gewohnt mit einer 30-50g Rute und einem 10-12cm Gummi am 10-15g Jigkopf los. Schnell wurde ich auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Abriss-Hänger, Abriss-Hänger, doch wo bleibt der ersehnte Fisch. Also ab nach Hause und einen neuen Plan schmieden! Bewaffnet mit einer leichteren Rute (3-14g), der Senso Perch von Balzer und leichteren Köpfen (3-7g) ging es wieder zur ewig langen Steinpackung.Das Ergebnis der Optimierung war zum einen deutlich weniger Hänger durch einen besseren Köderkontakt und zum anderen das leichtere Aufsetzen des Köders auf den Steinen.  Schon kamen die ersten Bisse und somit auch die ersten Fische. Nun ging es darum, die Hängerquote weiter zu reduzieren und die Biss- und Fischquote zu optimieren – jetzt wusste ich ja, dass die Fische am Platz sind.

Doppelte Freude statt Ärger über Abrisse!

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Rubberjigs, Chatterbaits, Spinnerbaits, Cheburashka am Offset Haken, Jigspinner und flach laufende Wobbler für die Dämmerung sind meine absoluten Favoriten für das Fischen an der Packung.

Erics Lieblingsköder

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Ab jetzt waren es keine Zufallsfänge mehr, sondern ich bin gezielt mit dem richtigen Tackle losgezogen, um erfolgreich an der Steinpackung zu angeln. Durch die richtige Auswahl der Köder und das dazu abgestimmte Gerät fange ich regelmäßig große Barsche und nicht selten gute Zander als gerngesehen Beifang.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil für die erfolgreiche Angelei ist eine Polbrille, um markante Stellen an der Steinpackung zu sichten: ein Wechsel von groben auf feine Steine, ausgespülte oder betonierte Bereiche von Entwässerungen oder Regenzuläufen, starker Schilf- oder Pflanzenbewuchs an Uferabschnitten und der Winkel, von dem aus die Steine ins Wasser ragen, denn jede noch so kleine Veränderung bietet Unterschlupf für Grundeln oder andere Friedfische und somit die perfekte Grundlage für die Räuber, auf die wir es abgesehen haben.

Eine Polbrille kann helfen um Unterwasserstrukturen besser wahrnehmen zu können.

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Wann welcher Fisch:

Zander fängt man am besten in der Dämmerung oder an trüben oder verregneten Tagen. Wenn viel Schiffbetrieb herrscht und dadurch der Kanal besonders trüb ist, hat man auch an sonnigen Tagen gute Chancen.

Barsche fängt man am besten in den Morgenstunden sowie in der Dämmerung. Am Tage funktioniert es besonders gut an Sonn- und Feiertagen, wenn wenig bis gar keine Schifffahrt vorhanden und somit das Wasser komplett klar ist.

Die richtige Tageszeit ist essentiell für konstant gute Fänge.

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Farben:

Wenn das Wasser trüb ist, kann man ruhig mal zu schockigen Farbtönen greifen. Meine besten Erfahrungen habe ich dabei mit orange-braun und green-pumpkin-chartreuse gemacht.
Wenn das Wasser klar ist, sind ganz klar Braun- und Naturtöne von Vorteil, die Grundeln imitieren.

Die richtige Köderfarbe ist tages- und wasserabhängig

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Tackle:

  • Rute: 5-20g (beispielsweise Balzer Shirasu Pro Staff Series Senso Pearch)
  • Schnur: 0,10-0,12mm (nicht zu dünn wählen, da wir dicht an scharfen Steinen angeln)
  • Vorfach: 0,30-0,40mm Fluorocarbon, 1-2m lang
  • Kleiner Kescher und wenig Gepäck, da Strecke machen angesagt ist.
Wenig Ausrüstung sorgt für eine mühelose Angelei

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Wie beangle ich die Steinpackung?

Ich stelle mich nie direkt ans Wasser, sondern bleibe ganz oben am Anfang der Packung stehen, ohne diese zu betreten und mache von dort aus immer meine ersten Würfe.
Große Barsche sind sehr schlau und scheu und schon bei den kleinsten Rappeln der Steine ziehen sie sich zurück und sind gewarnt.
Des Weiteren habe ich festgestellt, dass man die Hängerquote stark reduziert, da man einen viel besseren Winkel zur Packung hat und man den Köder somit direkt bis zum Ende hoch lupfen kann.
Dadurch hat man mehr Bisse, da man näher an den Steinen angeln kann und der Köder bis zur letzten Kante im Wasser ist. Nicht selten verfolgen große Barsche den Köder und schnappen ihn sich kurz bevor er aus dem Wasser gehoben wird. Darum jeden Wurf ausfischen!

Eric hält auf der Steinpackung meist Abstand zum Wasser um die erfahrenen Fische nicht zu verscheuchen.

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Habe ich die Packung vom geraden Grund bis nach oben abgefechert, gehe ich behutsam runter bis zum Wasser und fange an, mit Chatterbaits und Jigspinnern die Seiten parallel abzuwerfen bis ich den nächsten Barschschwarm gefunden habe. In der Dämmerung oder kurz nach Sonnenuntergang lohnt es sich gezielt mit einem Wobbler die Steinpackung abzufischen, da die Barsche selbst im Dunkeln nochmal eine kurze Fressphase haben.

So arbeite ich mich die Steinpackung entlang.
Für mich eine sehr spannende und gleichzeitig erfolgreiche Angelei.

Zwei tolle Kirschen! Klasse Eric, daran sieht man das Potential der Wasserstraßen.
(Köder: Balzer Shirasu Clone Shad)

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