Teil 2
Michael Komuczki

Wer von uns träumt nicht den Traum einen kapitalen Karpfen zu fangen. Doch nicht jedem von uns ist es gegönnt, einen starken Großkarpfen, den Fisch des Lebens über den Kescher zu führen. Manchmal ist dieser Fang auch vom Glück bestimmt. Die Realität ist vielfach eine andere. Es ist schon eine Herausforderung der besonderen Art, an großen natürlichen Fließ- oder Stillgewässern erfolgreich Großkarpfen zu angeln. In der Regel sollten wir Angler es sein, die die Regie führen. Deshalb ist es für mich besonders wichtig bei der Festlegung der Angelstelle/Location ein Verhaltensmuster über unseren Zielfische in seinem Lebensraum zu haben!
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Einige Gedanken vorweg
Bevor wir uns mit der Festlegung der Angelstelle oder auf Neudeutsch mit der Location befassen, sollten wir ein wenig Einblick in den Lebensraum und in die Verhaltensweisen des Moosrücken nehmen. Nur wenn wir uns eingehend mit der Evolution des Karpfens auseinandersetzen, sind wir befähigt, Ableitungen über dessen Verhalten in Abhängigkeit der Jahreszeiten zu treffen. Lediglich wenn wir dessen Verhaltensweise verstehen/erahnen können, sind wir befähigt diese gezielt zu beangeln. Gerade die Jahreszeiten so wie die Laichzeit beeinflusst die Verhaltensweise der Karpfen entscheidend in Bezug auf deren Standortverhalten, als auch der Nahrungsaufnahme. Dementsprechend müssen wir bei unseren Ableitungen zwischen Stillwasser und Fließwasser unterscheiden, bzw. die unterschiedlichen Verhaltensweisen der Karpfen an den beiden Gewässerarten erfassen und in unserem Angelverhalten berücksichtigen.

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Sein Merkvermögen
Wir sollten auch davon ausgehen, dass unser Zielfisch Karpfen zumindest bedingt merkfähig ist, obwohl dies schwer beweisbar ist. Ein Indiz dafür war für mich mein Kaltwasseraquarium, in dem ich schon mehrere Jahre einige Karpfen gehalten habe. Wenn ich mit der Hand in Richtung Aquarium Abdeckung griff, kamen die Karpfen zu der Ecke des Beckens, wo ich diese immer füttere. Dies auch über einen längeren Zeitraum, auch dann, wenn ich kein Futter eingeworfen habe und nur meine Hand dort platzierte. Die kleinen Schuppenträger merken sich also, wo es ihr Futter gibt! Wenngleich meine Beobachtung keineswegs wissenschaftlich belegbar ist, das Verhalten der Fische begründet doch in Teilbereichen meine Hypothese. Unumstritten ist, dass die Verhaltensweise/das Wesen des Karpfens einerseits durch dessen Naturtrieb/Unterbewusstsein gesteuert wird, andererseits dieser über eine bedingte Merkfähigkeit/Erinnerungsvermögen verfügt, die sein Verhalten mit beeinflusst. Dies sollten wir bei der Futterarbeit als auch bei der Köderpräsentation berücksichtigen.
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Die Verhaltensweisen im Lebensraum
Die Verhaltensweise des Karpfens ist entscheidend durch die Nahrungsaufnahme und auch die Fortpflanzung geprägt. Neben der Witterung (Wind, Lichtverhältnisse) in Verbindung mit dem Luftdruck, den Gewässerverhältnissen (Trübung/Pegelstand) sowie die Gewässertemperatur und auch dem Sauerstoffgehalt des Wassers beeinflussen den Karpfen in seinem Lebensraum und dessen Nahrungsaufnahme. Auf Grund der schon erkannten Fakten stellt sich nun für uns die Gretchenfrage, welche Gewässerbereiche bevorzugen die Karpfen wann und unter welchen Bedingungen in ihrem Lebensraum.
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Im Stillwasser
Gerade an großen, natürlichen, sehr gleichförmigen und produktiven Stillgewässern stoßen wir sehr oft an unsere Grenzen in Bezug auf die Beurteilung des Lebensraumes und Standortverhaltens der Karpfen. Hand aufs Herz, wer von uns hat sich dabei schon nicht des Öfteren vergaloppiert. Im Lebensraum Wasserwüste des Ausmaßes von mehr als hundert Quadratkilometern (z. B dem Balaton) gleicht die Suche nach den Rüsslern doch oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen! Kilometerlange unter Wasser stehende, oft mehr als hundert Meter breite Schilf- und Binsenflächen, aberhunderte Krautbänke und Seerosenfelder sowie auch natürliche Nahrung im Überfluss. So stellte sich für mich das Meer der Ungarn, der Balaton und auch der Tiszá-to vor mehr als dreißig Jahren dar.

Wo wohnen hier die Großkarpfen, wo sind ihre Nahrungsquellen, wo fressen sie und wann? Auf den ersten Blick tausende erfolgversprechende Stellen, kaum Anhaltspunkte, um sich nur einigermaßen zu orientieren, oder doch? Gerade die ausgedehnten, oft nahezu undurchdringlichen Schilf- und Schilfrandzonen sind hier häufig der bevorzugte Lebensraum. Deckung sowie Nahrung ist hier im Überfluss, ob im Schilf selbst oder im beginnenden Freiwasser. Die Karpfen hinterlassen hier ihre Spuren bei der Nahrungsaufnahme. Die abgelagerten Bodensedimente, die hier oft bis zu zwanzig Zentimeter dick sind, werden durch die Karpfen bei der Nahrungssuche, häufig bis auf die harte Bodenschicht blank geputzt. Ähnlich der Wildsau im Wald pflügen hier die Karpfen den Gewässergrund um und hinterlassen die Spuren ihrer Anwesenheit. Dreikantmuscheln, Mückenlarven sowie Tubifex sind hier natürliche Nahrungsquellen des Karpfens und lassen Rückschlüsse auf seine Anwesenheit zu!

Oft sind wir von ihrer Gegenwart jedoch nicht wirklich überzeugt, insbesondere dann nicht, wenn sie sich nicht durch Springen oder Buckeln im Wasser bemerkbar machen. Gerade die Laichzeit ist die Zeit, wo man sich an solch natürlichen Gewässern einen etwaigen Überblick über das Vorkommen und auch bedingt über die Bestandsdichte in gewissen Gewässerabschnitten machen kann. Ist man einmal Augenzeuge einer Karpfenhochzeit in den flachen Uferbereichen zwischen Schilf, Binsen und Wasserpflanzen geworden, dann sind sie für uns existent. Auch haben wir möglicherweise durch den direkten Anblick, so wie der Jäger beim Wild, einen kleinen Überblick über den einen oder anderen Ausnahmefisch bekommen. Es ist mehr als beeindruckend, wenn sich die großen, schuppigen Leiber im flachen Wasser aneinander reiben und Hochzeit halten. Nicht nur am Balaton, sondern auch am Tisza-to wurde ich mit meinen Teamgefährten Attila Augenzeuge dieses beeindruckenden Schauspieles. Gerade die Urform des Wildkarpfens (ungar. Nyurga Ponty) reproduziert hier noch teilweise. Dieses Naturschauspiel wird für jedermann zum unvergesslichen Erlebnis.

Speziell dann, wenn man die Großkarpfen noch vor dem Laichbeginn mit dem Boot in den Binsen- und Schilfflächen unbeabsichtigt aufschreckt. Dann brechen die Großfische oft durch das Rohr und die Wasserpflanzen wie die Wildschweine durch das Unterholz.
Wenn für uns die Existenz der Fische auch eindeutig ist, ist ihr Verhalten im Lebensraum oft weiterhin schwer zu beurteilen. Nach meinen Erfahrungen bleiben die Karpfen vor und nach dem Ablaichen noch für längere Zeit im Uferrandbereich. Danach vagabundieren sie im Rudel auch im Freiwasser oft über viele Kilometer. Die oft zitierten Futterstraßen sind an großen, eher flachen, wenig strukturierten Gewässern auf Grund des Überflusses an Nahrung meist kaum oder nur sehr schwer beurteilbar. In den heißen Sommermonaten Mitte Juni bis Mitte September beeinflusst die hohe Wassertemperatur, der Wind und die Strömungsverhältnisse die Karpfen in ihrem Element nachhaltig. Bei etwa vierundzwanzig Grad Wassertemperatur schrauben die Rüssler die Nahrungsaufnahme an flachen Gewässern wie dem Balaton drastisch zurück. Nach ein oder zwei stürmischen Tagen und dem Anreichern des Wassers mit Sauerstoff und auch dem Fallen der Wassertemperatur auf Grund der damit verbundenen Umwälzung der Wasserschichten nahmen die Fische wieder Nahrung auf und wir verzeichneten auch wieder Bisse! Oft sind aufsteigende Blasen vom Gewässergrund für viele Angler ein Zeichen für Futter suchende Friedfische.
Unumstritten, doch es gehört schon einiges an Erfahrung dazu, um diese von aufsteigenden Gasblasen zu unterscheiden. Hinzu ist der Vollständigkeit halber noch zu bemerken, dass sie auch von einem Wels stammen könnten. Nicht immer ist dies ein Zeichen für gründelnden Karpfen!

An sehr tiefen Stillgewässern, wie ehemaligen Kies- oder Lehmgruben, verhält sich vieles grundsätzlich anders. Die produktiven Bereiche sind meiner Erfahrung nach zumeist in einer Gewässertiefe von zwei bis sieben Meter. Wobei sich die Fische gerade in der kalten Jahreszeit im tieferen Bereich aufhalten. Diese Angabe begründet sich darin, dass wir bis Ende November in einer Wassertiefe von sieben Meter mehrfach starke Fische zum Anbiss verführen konnten. An solchen Gewässern ist der Lebensraum der Karpfen einerseits oft leichter, andererseits auch vielfach schwieriger auszumachen. Dies begründet sich einerseits in deren Größe, andererseits in der vielfach stark kupierten Gewässerstruktur, welche vom Abbau des Materials herrührt.
Vielfach steil abfallende Uferrandbereiche sowie eine Unzahl von Plateaus in unterschiedlichen Gewässertiefen sind in der produktiven Gewässertiefe oft die einzigen Anhaltspunkte für den Lebensraum der Fische. Die bisweilen große Tiefe dieser Gewässer schränkt den produktiven Bereich des Wassers wegen des Mangels an Licht und Sauerstoff und auch dem dadurch verbundenen Manko an Nahrung den Lebensraum der Karpfen entscheidend ein. Deshalb ist die Beurteilung des Lebensraumes der Karpfen an diesem Wasser unter zu Hilfenahme eines Echolotes, sofern erlaubt, in Teilbereichen oft einfacher als an flachen, sehr gleichförmigen Gewässern.
Wegen der steil abfallenden Ufer, der Kupierung/Struktur sowie der großen Tiefe über weite Teile des Wassers reduziert sich dadurch der von den Karpfen bevorzugte Lebensraum oft nur auf zehn bis fünfzehn Prozent der Gesamtwasserfläche. Gerade zu Beginn der warmen Jahreszeit ziehen sie gerne auf Nahrungssuche an und auf den langen, überfluteten und langsam zerfallenden Verbindungswegen der Bagger zu deren Arbeitsplateaus oder vor unseren Füssen am Uferbereich entlang.

Wo Licht einfällt und Sauerstoff ist, ist Ufer- und Gewässervegetation damit auch Nahrung für die Karpfen. Zu Beginn der kalten Jahreszeit verlegen die Karpfen ihren Lebensraum in die tieferen und damit wärmeren Gewässerabschnitte, insbesondere an solche Gewässerbereiche, wo Sauerstoff angereichertes Wasser in die Kies- oder Tongruben gelangt. Entscheidend wird in Stillgewässern der Lebensraum der Fische durch die Einstände geprägt. Gerade Seerosenfelder, aber auch ins Wasser gestürzte Bäume sind oft die favorisierten Lebensbereiche der Karpfen.
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Im Fließgewässer
An Fließgewässern besonders am großen Strom verhält sich wieder vieles anders. Das Standortverhalten und auch der Lebensraum der Fische wird nachhaltig durch Strömung, Wassertemperatur, Wasserstand sowie durch die Gewässertrübung beeinflusst. Durch die oft täglich wechselnden Bedingungen sind wir laufend mit Veränderungen konfrontiert, die oft nicht vorhersehbar sind. Kleine Ausnahmen stellen diesbezüglich Stauräume an den großen Fließgewässern dar, wo oft nur geringfügigere Einschränkungen, wie die Gewässertrübung, schlagend werden. Der Strom unterliegt einer fortwährenden Veränderung durch Geschiebe und auch vom Hochwasser eingebrachte Bäume und Äste. Buhnen und Leitwerke, Einmündungen von Flüssen und Ufervorsprünge beeinflussen die Strömungsgeschwindigkeit, schaffen Kehrwasser und Vertiefungen am Gewässergrund. Durch Begradigen und Verbauen der Uferböschungen mit Bruchsteinen wurden an vielen großen Flüssen und Strömen die Altgewässer von den Auen abgeschnitten. Strömungsberuhigte Zonen, Habitate sowie auch Nahrungsräume am großen Fluss gingen mit Masse für die Fische verloren. Die starke Strömungsgeschwindigkeit unserer fließenden Gewässer (1 bis 3m/sec) lässt kaum eine pflanzliche und tierische Besiedlung der Gewässersohle zu.

Die Uferregionen, Buhnen und Leitwerke sind Großteil mit Bruchsteinen gesichert, nur in jenen Bereichen der Fließgewässer sind Einstände für Fische sowie Haftungsflächen für Klein- und Kleinstlebewesen gegeben. Deshalb sollten wir, wenn möglich, Vertiefungen in der Gewässersohle und an den Rändern des Steinwurfes ausmachen. Hier hält sich auch in sehr schnell fließenden Gewässern die natürliche Nahrung. Die jährlichen, nahezu flutartigen Hochwässer haben zugenommen. Auf Grund der Kanalisierung der Gewässer gibt es für das Hochwasser kaum Auslaufflächen. Durch das Hochwasser erfolgt auch eine begrenzte Verlagerung der Fischbestände. Ein gerade nicht einfacher Lebensraum für Karpfen und Co.
Natürliche Nahrung ist wegen der Strömungsverhältnisse meist auf die gewässerberuhigten Zonen konzentriert. Der oft stark schwankende Pegelstand wirkt sich weiters auf die Nahrungsaufnahme aus. Im Frühjahr aber auch in der Nacht sind die Karpfen in den flacheren Uferrandbereichen von Innenkurven des Flusslaufes, am Prallhang der Buhnen und in den seichten Buhnenfeldern zu suchen. Eine markante Wahrnehmung für mich ist auch, dass, wenn die Buhnen bei Niederwasser nicht richtig überspült wird, kaum Friedfische im beruhigten Bereich des Buhnenfeldes zu fangen sind.
In der warmen Jahreszeit werden von den Fischen die sauerstoffangereicherten Gewässerabschnitte, wie Buhnenköpfe, aber auch der Mündungsbereich von Flüssen bevorzugt. Der Gewässerbereich um einen versunkenen Baum, der sich in der Strömung im Grundbereich fixiert hat, aber auch die Ablagerung von mehreren Bruchsteinen wird von den Fischen gut angenommen. Dort kann sich durch den verminderten Strömungsdruck Nahrung ablagern und festsetzen. Oft sind solche Bereiche in Fließgewässern ein wahres Schlaraffenland für die Schuppenträger, welche es zu finden gilt.
Der Kühlwasserauslauf von Kraftwerken ist mit Sicherheit ein Hot-Spot im Fließgewässer, der in Österreich jedoch kaum verfügbar ist. Hingegen in Deutschland und anderen Nachbarländern werden in diesem Angelbereich der Flüsse und Ströme laufend starke Fische gefangen. Gerade in der unwirtlichen Jahreszeit, wenn an vielen Fließgewässern kaum mehr Fische zu fangen sind, sind die Warmwassereinleiter bevorzugte Winterangelplätze. Ihre Anwesenheit im Lebensraum Fließgewässer verraten uns die Karpfen nur durch Springen und Rollen auf der Gewässeroberfläche. Oft bleiben Großfische in diesem Element lange Zeit unbemerkt oder man bemerkt nur zufällig ihre Anwesenheit.
Trotz der widrigeren Nahrungs- und Lebensraumverhältnisse der Fische im Fließgewässer wachsen diese wegen der geringeren Bestandsdichte oft trotzdem zu einer beachtlichen Größe und Gewicht ab. Nicht zu vergessen auch der mehr als 20 Jahre lang haltende Rekordkarpfen von 74 Pfund aus Frankreich, welcher auch aus dem Fließwasserbereich stammt.
Eine Sonderform sind diesbezüglich träge fließende Kanäle und mäßig durchströmte, kanalartige Altgewässer in den Auwäldern der großen Fließgewässer. Hier finden wir trotz geringer Strömung auf das Nahrungsaufkommen bezogen oft ähnliche Verhältnisse vor, wie in den großen natürlichen Stillgewässern. In Österreich wird der Lebensraum der Fische in den letzten Jahren in den Augewässern nachhaltig durch den vor mehr als 40 Jahren wieder angesiedelten/ausgewilderten Biber beeinflusst. Durch die große Bestandsdichte der Tiere und der von ihnen in Unmengen gefällten Bäumen ergeben sich viele neue Einstände für die Karpfen.
Gerade hier hält sich wieder ein Überfluss an Nahrung. Wahrlich paradiesische Zustände für die Fische. Für uns Angler jedoch wird ein solches Gewässer zur besonderen Herausforderung. An diesen Gewässern, wo es Nahrung nahezu im Überfluss gibt, ging ich davon aus, dass die Karpfen relativ Standorttreu sind. Der Wiederfang von einigen Fischen bestätigte dies für mich in Teilbereichen.

Vor längerer Zeit wurde vermutlich durch eines der großen Hochwasser ein Koi-Karpfen in das Gewässer eingebracht. Der Karpfen wurde von Freunden etwa einen Kilometer von unserem Angelplatz in einem Gewässerteil gesehen, der durch einen sehr schmalen Kanal verbunden ist. Im Zuge eines Frühjahrsansitzes konnte ich den Koi weit entfernt von seinem üblichen Einstandsgebiet an unseren Angelplatz über den Kescher führen. Dies widerlegt wieder meine These der Standorttreue der Fische bei einem großen Nahrungsangebot, zumindest durch den markanten Koi.
Gerade die Altarme und Augewässer unserer großen Flüsse und Ströme haben vielfach ein oft unbeachtetes Potential an Großkarpfen. Oft werden diese Gewässer wegen der geltenden Angelbestimmungen, der Mückenplage, großer Anmarschwege ins Revier, Boot-Angelverbot oder sonstiger Widrigkeiten nicht beangelt. Leider!
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Sonstige Einflüsse im Lebensraum
Fallender und steigender Luftdruck, Wetterveränderungen, fallender und steigender Wasserstand, Gewässertemperatur, Gewässertrübung sowie auch die Mondphasen beeinflussen die Nahrungsaufnahme der Fische allgemein. Durch langjährig zurückreichende Fangaufzeichnungen ist man befähigt seine eigenen Rückschlüsse zu machen, gewisse Erfahrungen zu generalisieren und Angler dadurch möglicherweise zu einem bestimmten Angelverhalten anzuregen, halte ich nur als begrenzt sinnvoll. Handlungsweisen erfolgreicher Angler zu kopieren ist vermutlich nicht der richtige Weg. Oft liegt der Erfolg im Regelwidrigen. Gerade in Bezug auf das Verhalten der Fische im Lebensraum unter bestimmten Bedingungen und Einflüssen sollten wir uns unsere eigenen Gedanken und Ableitungen machen.
Merker:
“Das Leben gibt uns manchmal Antworten auf Fragen, die wir gar nicht gestellt haben.“
(Ernst Ferstl)
Dass an einem hochwasserführenden Gewässer mit einem Steiger von zwei Metern (eine Nacht/Donau) in acht Stunden das Karpfenangeln wenig sinnvoll ist, ist sicher verständlich. Gerade solche, sehr folgenschweren Veränderungen am Gewässer sollten wir nicht ignorieren, um nicht unnötig wertvolle Angelzeit zu vergeuden, wenngleich der Karpfenansitz schon langfristig geplant war und auch erheblich Zeit in diesen investiert wurde. Obwohl ich von der Verallgemeinerung von Verhaltensweisen nicht viel halte. Ich bin der Ansicht, dass Karpfen auf Grund von gewässerstrukturellen Gegebenheiten (Tiefe/Breite) in gewissen Habitaten trotz Nahrungsüberfluss und optimalen Lebensbedingungen nur zu einer bestimmten Größe abwachsen. Dies begründet sich für mich darin, dass die von mir schon erwähnten, im Aquarium gehaltenen Karpfen trotz ausreichend Futter nur bis zu einer Größe von etwa fünfzehn Zentimeter wuchsen und dann stagnierten. Die im Aquarium gehaltenen Fische waren von den unterschiedlichsten Rassen und auch von den Genen/Abstammung verschieden. Alle Fische im Aquarium zeigten das gleiche Wachstumsverhalten, wenngleich auch mit geringfügigen Unterschieden. Ich bin dahingehend überzeugt, dass sich die Fische nicht nur im Aquarium, sondern auch in der Natur dem gegebenen Lebensraum begrenzt anpassen, insbesondere in Bezug auf das Wachstum. Ein weiterer Fakt ist, dass an gewissen Gewässern von unterschiedlichen Anglern nur Fische bis zu einer bestimmten Größe/Gewicht gefangen werden. Bezüglich des Wachstums der Karpfen konnten meine Freunde und ich feststellen, dass Fische von über zehn Kilogramm unter normalen, natürlichen Nahrungsbedingungen jährlich von einem dreiviertel Kilo bis eineinviertel Kilogramm Körpermaße zulegen.
Über die Lebensdauer/Alter als auch das Wachstum der Fische herrscht jedoch oft eine sehr übertriebene Vorstellung. Dabei ist zu Beispiel beim Karpfen eine Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahren nachweisbar, wobei sie über 35 kg schwer und mehr als einen Meter lang werden. Diesbezüglich meine ich Fische in großen natürlichen Gewässern und keine Haustiere. Ein in Gefangenschaft gehaltener Karpfen in einem Londoner Aquarium soll knapp das Alter von einem halben Jahrhundert erreicht haben. Aber schon im Alter von 20 bis 30 Jahren setzen bei den Karpfen die ersten Vergreisungserscheinungen ein. Bei den so genannten Moosrücken, über die sehr oft berichtet wird, handelt es sich um solche vergreisten Veteranen. Den Karpfen ergeht es ähnlich wie den Elefanten, denen auch gerne ein methusalemisches Alter zugesprochen wird, von denen aber nachweislich kaum einer ein halbes Jahrhundert hinter sich bringen konnte.
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Zusammenfassende Feststellungen
Nur wer sich eingehend mit der Festlegung der Angelstelle/Location sowie dem Verhaltensmuster unseres Zielfisches in seinem Lebensraum beschäftigt bzw. dies zu verstehen versucht, wird in der Regel erfolgreich sein.

Wir sollten uns eingehend mit dem Lebensraum des Karpfens befassen. Wesentlich ist es das wir seine Triebe, seine Nahrungsaufnahme und auch seinen Körperhaushalt verstehen. Auch sollten wir bei der Futterarbeit und bei den Montagen sein bedingtes Merkvermögen nicht außer Acht lassen.
Petri für die Saison 2026!

