12 Jan

Winterzander in Talsperren – so klappt es mit Gummifisch

Stauseen und Talsperren sind nicht nur uns Anglern als erstklassige Angelgewässer bekannt, auch bei Erholungsuchenden stehen diese Großgewässer hoch im Kurs. Dort wo in den Sommermonaten das Leben tobt, ist man im Winter als Angler häufig ganz alleine unterwegs. Autor Franz Hollweck hat das winterliche Zanderangeln mit Gummifisch an diesen Gewässern für sich entdeckt und gibt euch hier einige Tipps wie es auch bei euch mit dem Winterzander aus der Talsperre klappen kann.
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Das macht glücklich: Ein toller Talsperrenzander von Autor: Franz Hollweck
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1. Die Platzwahl

Keine Frage – bevor man loslegt sollte man sich natürlich Gedanken darüber machen, wo man es überhaupt auf Zander probieren möchte. Bei meiner persönlichen Winterangelei auf Zander hat sich bei erfolgreichen Angelplätzen ein Muster immer wieder bestätigt.

Ich suche nach steilen Uferkanten die in tiefes Wasser abfallen. Idealerweise findet sich dann auch noch ein kleiner Vorsprung auf den ich mich stellen kann. Das erlaubt es mir die Kante nicht im 90° Winkel zu beangeln sondern sie beinahe parallel abzuangeln – so ist mein Köder viel länger im heißen Bereich.

Obwohl die Zander im tiefen, 4°C warmen, Wasser stehen kommen die Bisse fast immer etwas flacher, direkt auf der Schräge der Kanten.

Wenn es also beispielsweise am Kantenfuß 8m tief ist, erwarte ich die meisten Bisse nicht am Kantenfuß sondern auf der abfallenden Schräge bei einer Tiefe von 5-6 Metern.

Das dürfte daran liegen, dass Beutefische immer nach oben flüchten, vom Zander dabei verfolgt werden und gegen die Kante gedrückt werden.

Entsprechende Plätze findet man ganz leicht mit dem Auge – man betrachtet einfach die Uferlinie, wo es steil ins Wasser hineingeht, geht es unter Wasser auch steil weiter.

Wer es gerne etwas technischer haben möchte, kann sich auch an den Tiefenkarten der Stauseen bedienen. Dort sucht man Bereiche in denen die Tiefenlinien ganz eng zusammenliegen, das deutet auf steile Abbrüche hin.

Gute Quellen für Tiefenkarten sind z.B. C-Map Genesis oder auch die Navionics WebApp welche beide kostenlos nutzbar sind.

Mehr Informationen zum strategischen Erkunden von Angelgewässer findet ihr in diesem Artikel (https://www.netzwerk-angeln.de/angeln/angelpraxis/allroundangeln/519-unbekannteangelgewaesser-erkunden-diese-tools-helfen-dir.html)
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Ein idealer Winterangelplatz. Vom kleinen Vorsprung aus, lässt sich die steile Uferkante perfekt parallel abangeln.
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2. Die Taktik: Vertrauen und Ausdauer

Nach gründlicher Vorbereitung hat man sich also einen Plan zu den Stellen die man beangeln möchte zurechtgelegt. Jetzt folgt der einfachste und zugleich schwierigste Teil, das Angeln.

Beim Zanderangeln im Winter gibt es zwei Dinge ohne die es nicht geht: Vertrauen und Ausdauer.

Das Vertrauen in Angelgerät, Köder und Platzwahl ist für die Winterangelei auf Zander wirklich unglaublich wichtig. An den meisten Wintertagen rechne ich beim Zanderangeln an Talsperren mit ein bis zwei Bissen (ja, am ganzen Tag!). Wenn dann dieser Biss kommt, muss er sitzen.

Wenn man bei Eiseskälte am Ufer eines Stausees steht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für Experimente. Bewährtes Angelgerät, bewährte Montage, bewährte Köder. Durchziehen ist angesagt! Der Fokus muss also ganz klar auf dem Angeln liegen, wer ständig in der Köderbox kramt und im 10 Minuten-Takt den Köder wechselt, der bekommt definitiv weniger Bisse. Was das bei 1-2 Bissen am Tag bedeutet, kann man sich ausmalen.

Obwohl ich, wie vermutlich alle Angler, letztlich doch immer zentnerweiße Gummifische mitschleppe würden mir, bei genauer Analyse meiner Fänge und Erfahrungen letztlich 2-3 Modelle tatsächlich vollkommen ausreichen.

Es muss einfach ein Gummifisch sein, der zuverlässig Zander fängt und dem man absolut vertraut.

Ein Modell dass bei mir speziell im Winter sehr viel zum Einsatz kommt ist der 12,5 cm lange Shirasu Z-Shad in der Farbe Lemon Pepper, ausgestattet mit einem Zusatzdrilling. Ein zweiter Gummiköder der immer einsatzfertig in der Box liegt und der mir schon viele schöne Winterzander beschert hat ist der 9,5 cm lange Shirasu Akiri Worm in der der Farbe Kaito.
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Vertrauensköder für Winterzander. Autor Franz Hollweck setzt auf bewährte Modelle wie den Shirasu Z-Shad und den Shirasu Akiri Worm.
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Wenn man beide Köder vergleicht, sieht man, dass sie doch recht unterschiedlich sind, trotzdem fangen beide und trotzdem würde ich beide bedenkenlos einen ganzen Tag ohne Köderwechsel angeln. Vertrauen, darauf kommts an!

Wie kann man sich ein solches Vertrauen in Köder und in das was man tut aufbauen? Schlechte Nachricht: Vertrauen kann man sich nicht „anlesen“, das muss man sich tatsächlich erangeln.

Womit wir bei der nächsten wichtigen Eigenschaft wären die man als Winter-Zanderangler an Talsperren mitbringen sollte. Ausdauer!

Die angesprochenen 1-2 Bisse am Tag muss man sich meistens wirklich erarbeiten und effektiv, ruhig und zielgerichtet angeln. Auch wenn 3 Stunden kein Biss kam, muss man den nächsten Wurf im vollen Vertrauen ansetzen, dass der Biss jetzt kommen könnte.

Wer der zähen Winterangelei mit der nötigen Gelassenheit, ja vielleicht sogar Sturheit begegnet wird den Erfolg bald in seinen Händen halten. Versprochen!
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3. Angeltechnik: Langsames Faulenzen

Die Köderführung sollte im Winter möglichst langsam erfolgen. Das klassische Faulenzen ist jetzt genau richtig, da wir meistens in eingermaßen tiefem Wasser angeln, zeitgleich aber keine Rekordwurfweiten erzielen müssen, können die Jigkopf-Gewichte relativ leicht ausfallen. Zwischen 5 und 10g passen für Wassertiefen von 3-8 Metern sehr gut.

Die dadurch recht leichten Köder heben sehr schnell vom Grund ab, was uns ein ganz ruhiges ankurbeln des Köders erlaubt. Ein gutes Gefühl habe ich persönlich wenn mich zum starten des Köders ganz gemütlich zwei, drei Kurbelumdrehungen mache (kommt auf die Rollengröße an) und so Absinkphasen von 3-4 Sekunden erziele.
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Der Lohn der Mühen: Winterzander aus der Talsperre.
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4. Das Angelgerät: Kein Platz für Kompromisse

Rute und Schnur wähle ich bei der Winterangelei an Stauseen gerne ein wenig schwerer als es eigentlich nötig wäre. Das hat 2 Gründe, erstens sind die Stauseen über den Winter häufig abgesenkt (damit Platz ist für das Frühjahrshochwasser), das hat zur Folge dass man häufig auf Sand oder Kies steht und angelt.

Muss man die Rute einmal zur Seite legen, kommt die Schnur automatisch mit dem feinen Sediment in Kontakt. Ein Geflechtschnur die etwas dicker ist, verkraftet diese Kontakte viel besser als ein ganz dünner Faden.
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Warm eingepackt und alles am Mann. Auf sein Angelgerät muss man sich beim Winterangeln blind verlassen können.
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Eine etwas schwerere Rute als eigentlich nötig bringt aus meiner Sicht den Vorteil, dass man mehr Kraft in den Anhieb legen und die Zander besser haken kann – auf der anderen Seite ist es natürlich auch anstrengender lange Zeit mit einer schwereren Rute zu angeln.

Hier muss man einfach für sich den idealen Kompromiss finden, am Ende sind wir wieder bei den bereits genannten Punkten: Vertrauen und Ausdauer.
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Geräteempfehlung

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5. Ausrüstung zum Winterangeln

Um einen Winterangeltag in vollen Zügen erleben und genießen zu können sollte man einige Vorkehrungen treffen. Dies betrifft zu allererst die Kleidung, man benötigt absolut wasserdichte, warme Schuhe, eine Mütze oder Kapuze und sollte sich insgesamt sehr warm anziehen. Wenn man erst einmal anfängt zu frieren, wird der Angeltag sehr schnell beendet sein. Nach meiner Erfahrung sind es meist die Füße die zuerst auskühlen, und im Vergleich zu den Händen kann man sie auch schlecht mal eben in die Hosentasche schieben um sie wieder aufzuwärmen.

Die Balzer Thermostiefel sowie die Thermosocken bieten hier idealen Kälteschutz. Eine Thermoskanne mit einem heißen Getränk sollte auch im Gepäck sein, es wärmt und gibt Kraft für die ausdauernde Winterangelei. Gehen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt hat man oft auch mit einfrierenden Rutenringen zu kämpfen. Das liegt daran, dass die Geflechtschnüre auf die wir zum Zanderangeln zwingend angewiesen sind immer auch etwas Wasser transportieren, dass sich dann an den Rutenringen ablagert und gefriert.
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Kennt jeder Winterangler: Einfrierende Rutenringe. Mit einem einfachen Hausmittel lässt sich hier jedoch Abhilfe schaffen.
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Zum Glück sind moderne 8-fach Geflochtene Schnüre wie etwa die Balzer Ironline 8 mittlerweile so eng geflochten und haben dadurch eine so glatte Oberfläche dass sie kaum noch Wasser transportieren. Das Problem der vereisenden Rutenringe wird alleine durch die besseren Schnüre schon deutlich reduziert. Gerade an sehr kalten Tagen muss man dennoch manchmal etwas gegensteuern. Am einfachsten und günstigsten geht das mit einem Lebensmittelzusatzstoff: Glyzerin (E 422), die farblose, geruchsneutrale Flüssigkeit ist ein natürliches Frostschutzmittel. Es findet sich übrigens auch im Blut einiger Insekten (z.B. Hornissen) um sie im Winter vor der Kälte zu schützen. Man kann Glyzerin ganz einfach in der Apotheke kaufen, 100ml kosten etwa 5 Euro und reichen mir einen ganzen Winter. Die Flüssigkeit fülle ich in eine kleine Sprühflasche um, und spritze dann wenn nötig einfach ab und an während des Angelns etwas an die Rutenringe, der Effekt lässt sich noch verstärken wenn man auch der Schnur auf der Rolle gelegentlich einen Spritzer gönnt. So ist man das leidige Problem der einfrierenden Rutenringe schnell und einfach los.

Noch mehr Tipps&Tricks zum Zanderangeln Winter findet ihr in diesem Artikel.

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